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  • AutorenbildMichi

Valparaíso/Viña del Mar

Am Samstag bin ich ans Meer nach Valparaíso, einer alten Hafenstadt, dessen historischer Stadtkern 2003 von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit erklärt wurde, gefahren. Die Stadt besteht zum einen aus dem am Wasser gelegenen unteren Teil namens El Plan, zum anderen aus dem auf insgesamt 41 Cerros, Hügeln, verteilten oberen Teil. Der untere Teil machte einen sehr hektischen Eindruck auf mich und gab mir einen kleinen Vorgeschmack auf meine früher oder später kommende Indienreise, hatte aber im Grunde nichts Besonderes an sich. Der obere Teil jedoch hatte etwas Spezielles, etwas mit keiner anderen Stadt Vergleichbares an sich, strahlte Ruhe aus und hatte wenig mit dem hektischen Leben im unteren Teil gemeinsam. Aus diesem Grund – und natürlich des Blickes wegen – hat sich der chilenische Poet und Nobelpreisträger Pablo Neruda wahrscheinlich auch auf dem Hügel Bellavista niedergelassen. Sowohl sein Haus “La Sebastiana” in Valparaíso als auch “La Chascona” in Santiago, welche ich beide besichtigt habe, sind sehr zu empfehlen. Auch die benachbarten Hügel Concepción und Alegre bewohnen hauptsächlich Künstler, deren Häuser in allen möglichen Farben angemalt sind. Das Außergewöhnliche an der Stadt ist das Verwinkelte, das Verschachtelte, das Geheimnisvolle, das es zu entdecken gibt. Die endlos vielen steilen Treppen, engen Gassen und uralten Aufzüge, welche die verschiedenen Cerros miteinander verbinden, bilden einen Irrgarten, in dem man sich trotzdem recht gut zurechtfindet, und erinnern ein bisschen an San Fransisco oder San Torini.

Ursprünglich hatte ich zwei Tage für diesen Besuch eingeplant, letztendlich hat mir aber der Samstag gereicht. Ich war dann auch ganz froh, als ich wieder im Bus nach Santiago sass, nachdem ich von einer Gruppe Jugendlicher als Gringo, sozusagen als Ausländer, beschimpft worden bin und bei aufkommender Dunkelheit alleine an einem finsterdreinschauenden Mann mit tief heruntergezogener Kapuze und einer riesigen Brechstange in den Händen vorbeigehen durfte. Ich hatte mich schon schmerzhaft zu Boden gehen sehen, glücklicherweise hat er mich aber doch passieren lassen. Die Stadt berherbergt die krassesten Elendsviertel von ganz Chile, was mir meine deutsche Mitbewohnerin, die in Valparaíso als Freiwillige gearbeitet hat, bestätigte.

Zudem habe ich am Samstag noch einen kurzen Abstecher nach Viña del Mar gemacht, welches nur zehn Minuten mit dem Bus von Valparaíso entfernt liegt. Viña del Mar ist der Badeort schlechthin in Chile und kam mir vor wie die spanische Costa del Sol. Während Valparaíso aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur einen Besuch wert ist, kann man sich Viña del Mar getrost schenken.

Am Samstag beginnt mein zehntägiger Trip nach San Pedro de Atacama, wo ich drei Monate lang als Tour Guide arbeiten werde. Dann gibt es hoffentlich wieder mehr philosophisches Gedankengut von mir. Die Stadt – philosopisch auch inspirierend, aber leider nur im Negativen – wird mir in Zukunft größtenteils nur noch als Anlaufstelle für meine Abenteuer in der Natur dienen, nicht mehr aber als ausschließliche „Touristenattraktion“.

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