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  • AutorenbildMichi

Sorata

Aus meiner Trekkingtour wurde leider nichts, da dichter Nebel nur knapp ueber Sorata hing und somit den Blick auf saemtliche Berge versperrte, weshalb ich mich beim besten Willen nicht aufraffen haette koennen, mich den Berg hinaufzuschinden. Doch es gibt ein paar Erlebnisse zu berichten, die man in keinem Lonely Planet findet: Auf der Hinfahrt musste sich die eh schon schlecht riechende Bolivianerin neben mir uebergeben. Daraufhin hantierte sie mit der vollgekotzten Plastiktuete vor meinem Gesicht herum. Der traditionelle Rock wurde kurzer Hand als Taschentuch umfunktioniert. Zu guter Letzt machte sie einen Knoten in die Tuete und – anstatt sie ordentlich zu entsorgen – warf sie einfach vor meine Fuesse auf den Boden des Busses. Mahlzeit! Zudem bin ich auf der herrlichen Terrasse meines Hostels mit drei Cholitas – dicken, aelteren Bolivianerinnen in traditionellen Gewaendern – ins Gespraech gekommen. Sie haben mich auf ein Glas Pepsi und eine Semmel mitsamt Avocado eingeladen. Eine von ihnen hatte angetrocknetes Blut im ganzen Gesicht, da sie am Abend davor auf dem Plaza des idyllischen Bergdoerfchens zusammengeschlagen worden war, weil sie ein bisschen Geld bei sich hatte. Anscheinend gibt es hier wirklich ein paar Bekloppte, doch das kann einem genauso gut in Lenggries passieren. Als wir mit dem Essen fertig waren, wurden die Avocadoschalen in eine Plastiktuete gepackt und im hohen Bogen ueber die Veranda auf die darunterliegende Strasse geworfen, was einen Affen sehr erfreute, der uns daraufhin auf Trapp hielt. Gestern, als ich wieder zurueck nach La Paz gefahren bin, verzog sich der Nebel und ich bekam zum ersten Mal die gesamte Cordillera Real zu Gesicht. Wahnsinn! Ungluecklicherweise fuhr mein Minibus nur bis El Alto, eine an sich eigenstaendige Stadt mit fast ausschliesslich indigener Bevoelkerung, die an La Paz angrenzt und in der man als Gringo lediglich als wandelnder Dollarschein betrachtet wird. Ein Taxifahrer sprach mich an. Zehn Bolivianos erschienen mir mehr als guenstig bis ins Zentrum. Ich stieg trotzdem ein, da das Taxi und der Taxifahrer in Ordnung zu sein schienen. Zehn Sekunden spaeter stieg auf der Rueckbank ein weiterer Fahrgast ein. Wieder zehn Sekunden spaeter hielt das Taxi am rechten Fahrbahnrand. Ein Polizist in Zivil hielt uns seinen Ausweis vor unsere Nasen, er wolle die Ausweise sehen. Die Beiden zeigten sie natuerlich sofort her, der Mann hinter mir war aus Peru, doch mir wurde die Sache zu brenzlig – fuer zwei Sekunden ist mir das Herz in die Hose gerutscht – und ich stieg aus. Leckt mich doch am Arsch ihr Grattler! Gluecklicherweise machte der Taxifahrer ohne zu Murren den Kofferraum auf, damit ich mir meinen Rucksack schnappen konnte – was ich im Nachhinein nicht ganz begreife. Komischerweise fuhr der Polizist in Zivil schliesslich im Taxi davon.

Gestern habe ich mich noch einmal mit dem Michi getroffen. Fuer Samstag, Sonntag steht der Pequeño Alpamayo auf dem Programm, was ich mir nicht entgehen lassen werde. Leider hat er nicht ganz 6000 Meter, dafuer ist es der wahrscheinlich schoenste Berg ganz Boliviens. Somit habe ich noch ein paar Tage, die ich aber nicht in La Paz, sondern am Titicacasee, dem hoechstgelegenen schiffbaren See der Welt, in Copacabana und auf der wunderschoenen Isla del Sol verbringen werde. Nach dem Berg werde ich vielleicht noch einen Abstecher in den bolivianischen Amazonas machen, bevor ich dem Land Lebewohl sagen muss.

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