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  • AutorenbildMichi

Seattle

In Seattle wurde ich am Montag Abend von meinem Lieblings(couchsurfer)paerchen mit offenen Armen empfangen! Scott und Julia, die beiden Kuenstler, die wir vor etwa zwei Jahren in Holzkirchen gehostet haben, geht es bestens! Sechs Jahre Beziehung und immer noch gluecklich…Nach einem ausgiebigen Euro-Trip haben die beiden ihre sieben Sachen gepackt und sind hinauf nach Alaska Alaska gefahren. Lachse, Denali und unendliche Weite! Danach sind sie durch den Yukon und das gelobte Land (Beautiful British Columbia), um letztendlich in Seattle ein paar Jahre zu verweilen. Zwischen Pazifik bzw. Olympic Mountains und Cascades… “Ein Bier” in einer alten Fischerboaz’n zum Ausklingen des Wiedersehens…

Dienstag. Der Berfekte Tag mit Scott… Bouldern in Stone Gardens, Biken zum Beach, nette, neue Bekanntschaften (Mit dem Mexikaner Josh musste ich ein paar Worte auf Hochdeutsch wechseln. Das halbe Jahr Nordamerika macht sich nicht nur bei meinen Englischfaehigkeiten bemerkbar!), Balancieren (Slacklinen), Baden im Bazifik (am 18.9. !!!), Bier… Am Abend sind wir in eine Gallerie, um mit zwei lokalen, mit Scott und Julia befreundeten Kuenstlern ueber deren Arbeit zu diskutieren. Auch meine Meinung war gefragt! Joyas schwarz, weisse Linoleumdrucke taugen hoechstens als Postkarte etwas, davon leben kann man aber beim besten Willen nicht. Julias lebensgrosse, abstrakte Aktmalerei war stark!!! Ebenso Scotts komische Strichelzeichnungen, in denen er Mensch und Natur auf kritische, hinterfragende Weise verbindet. Einen Eindruck davon kann man sich auf scotttravisart.com machen…

Am naechsten Tag musste er arbeiten, Julia hatte mehr oder weniger frei, ich bin Radln gegangen. Am Pudget Sound entlang ging es zur Space Needle, dem Olympiaturm Seattles. Picknick am Strand… Ich bin der gluecklichste Mensch auf Erden, ich moechte mit keinem Menschen auf dieser Welt mein Leben tauschen, das Leben kann so einfach und schoen sein… Und so wird es auch in Zukunft bleiben! Ich weiss inzwischen, wie man tausende Kilometer weit umsonst von A nach B kommt, wie man umsonst ein Dach ueber den Kopf bekommt, Internet, Kleidung, Kletterschuhe, Moebel, eine Gitarre, ein Radl, Bouldern, … Fast nichts muss Geld kosten! Dabei geht es mir nicht darum, sich in der Gesellschaft durchzuschnorren. Im Gegenteil: Es geht mir um ein Geben und Nehmen und vor allem darum, nur das zu machen, was man wirklich will, und somit nur dafuer Geld auszugeben. Somit braucht man viel weniger Geld, man muss nicht so viel Arbeiten, hat dafuer aber mehr Zeit fuer sich und kann sich vom Rest der Welt, die irgendwelchen bescheuerten Idealen und Statussymbolen hinterhereifert, am Arsch lecken lassen. Ich stecke lieber meine Fuesse in den weissen Sand und lasse mir die warme Herbstsonne auf meinen faulen Pelz scheinen… Sogar Essen gibt es umsonst! Und das im Ueberschuss! Mit der Julia bin ich zur Food Bank gegangen, dem amerikanischen Pendant zur Tafel. Dort werden tagtaeglich qualitativ hochwertigste Nahrungsmittel, die von der geldgeilen und waehlerischen Menschheit nicht gefressen werden kann und somit im Muell landen wuerde – ich rede von qualitativ hochwertigsten Nahrungsmitteln, nicht von verfaulter Scheisse!!! -, an Beduerftige und an solche, die diese Wegwerfgesellschaft, in die wir leider leben, nicht laenger tolerieren, verschenkt. Auch ich gehoere allerspaetestens seit gestern zu diesen solchen.

Ansonsten ist es sehr witzig zu sehen, dass an der Westkueste, die ich fuer sehr progressiv halte, die Emanzipation voll angekommen ist. Zoe, die locker von den 2000 Dollarn, die ihr der kuwaitische Staat monatlich dafuer ueberweist, dass ihr Vater im Krieg gegen die Amerikaner gefallen ist, nicht nur leben, sondern non-stop um die Welt reisen koennte, arbeitet Vollzeit in einer schaebigen Spelunke mit noch schaebigeren Leuten… Ihr Freund Kenton dagegen weigert sich zu arbeiten, schlaeft jeden Tag bis 17 Uhr und verdient als zwar ueberaus talentierter Musiker mit seinen gelegentlichen Auftritten lediglich 100 Dollar pro Konzert, weshalb er sich um deren Katze Fumiko, den Abwasch, das Kochen und Putzen kuemmert. Oder auch nicht. Zoe zahlt nicht nur die schoene Zwei-Zimmer-Wohnung und saemtliche damit verbundenen Rechnungen, nein, auch den halbjaehrigen Suedostasientrip hat sie ihm finanziert! Und den kommenden, mehrmonatigen Europaaufenthalt wird sie ihm auch finanzieren… Keine Kritik meinerseits, wie gesagt, ich finde es witzig. In Seattle kocht Scott, Julia verdient wohl den groesseren Anteil des gemeinsamen nicht vorhandenen Vermoegens…

Heute und morgen gehoert mir deren Wohnung ganz alleine, weil die beiden Kunstwerke nach Vancouver liefern… Die Zeit vertreibe ich mir mit Ausschlafen, Baden in der Badewanne, dem Erlernen von Big-Wall-Klettertechniken und “Wie mache ich Spaetzle selber?”, KEXP, dem wahrscheinlich besten Radiosender ueberhaupt, und eventuell einem lauten Post-Rock-Konzert in der Taverne um’s Eck… Stress, nicht mit mir.

Samstag, Sonntag Wandern und Zeltln in den beeindruckenden Olympic Mountains mit Scott und Julia. Montag Van, Couchsurfen beim Victor. In einer Woche sitze ich im Flugzeug. Ich freue mich inzwischen sehr auf Familie, Freunde, Oktoberfest und Couchsurfer aus aller Herren Laender, dank Scotts und Julias warmherziger Gastfreundlichkeit geniesse ich allerdings meine letzten Tage in Nordamerika und bin nicht mehr so verloren wie noch am Anfang meines Portlandaufenthaltes…

Ach ja, am Dienstag und Freitag bin ich uebrigens zur Primetime im kanadischen Fernsehen zu sehen. Zusammen mit Rick Mercer, dem wohl beliebtesten Comedian Kanadas… Die Volksverdummer von RTL haben auch schon wieder angeklopft, da sie eine Couchsurfing-Oktoberfest-Reportage drehen wollten. Nicht mit mir… Es ist doch zu leicht, ins Fernsehen zu kommen.

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