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  • AutorenbildMichi

Riobamba

Seit Samstag halten wir uns in Riobamba, ziemlich genau in der Mitte von Ecuador, auf. Bis nach Quito sind es nun nur noch laecherliche 300 Kilometer. Den Abend haben wir damit verbracht, saemtliche Kneipen und Discos von innen zu begutachten. Allerdings konnte ich leider nicht das Tanzbein schwingen, da mir mein Ruecken recht grosse Schmerzen bereitete – immerhin habe ich schon zwischen 20000 und 30000 Kilometer Busfahren auf dem Buckel. Mit unseren Fleecejacken beziehungsweise unseren T-Shirts, die wir schon seit zwei oder drei Wochen Tag und Nacht tragen und unseren Trekkinghosen, an deren letzten Waeschereibesuch ich mich ueberhaupt nicht mehr erinnern kann – von meinem Schuhwerk, das lediglich aus FlipFlops besteht, brauche ich gar nicht reden – wirken wir neben den bis auf das Aeusserste herausgeputzten Ecuadorianerinnen wie Penner. Doch wenigstens haben sie so immer einen Grund zum lachen, uns ist noch nicht vorgekommen, dass eine grantig geschaut haette. Gringos!!!

Gestern mussten wir dann schon um 5.30 Uhr aufstehen, da wir mit dem Zug die “weltberuehmte” Nariz del Diablo, die Teufelsnase, bezwingen wollten. Wem es Spass macht, in einem Zug ausschliesslich mit Touristen – darunter auch vielen Rentnern – faul herumzusitzen, sich von der huegeligen Landschaft, die an einem vorbeirauscht, noch nicht satt gesehen hat und dafuer 7,80 Dollar zahlen will, dem wird diese Zugfahrt, die einem vom Lonely Planet als eines der Highlights Ecuadors vorgegaukelt wird, vielleicht gefallen. Fuer uns war es ein Flop! Einzig und allein die Moeglichkeit, auf dem Dach des fahrenden Zuges zu sitzen, war lustig. Dennoch war der Samtag kein Reinfall, denn folgendes Nicht-Lonely-Planet-Erlebnis hat den Tag gerettet: Eine ecuadorianische Englischstudentin hat uns auf einem Plaza angesprochen – eigentlich war es ihre Mutter, sie war wohl zu schuechtern dazu -, sie wolle einen von uns fuer eine Arbeit oder einen Vortrag interviewen. Ich war dann “wieder einmal” der Glueckliche, der in das Diktiergeraet quatschen durfte! Nach dem Interview spielte sie fuer uns den Tour Guide und erzaehlte uns allerhand ueber die drei beliebtesten Plazas der Stadt. Von einem Plaza zum Anderen spielte fuer uns ihr Vater den Taxifahrer. Ein Baby war auch noch anwesend im “Taxi” – wahrscheinlich die kleine Schwester von der Silvia, der Englischstudentin -, bei dem ich meine inzwischen hervorragenden Onkelqualitaeten unter Beweis stellen konnte. Vor allen drei Plazas mussten Stefan und ich mit ihr posieren, waehrend die Mutter den Ausloeseknopf der Digitalkamera drueckte. Silvias Englischkenntnisse liesen zwar noch sehr zu wuenschen uebrig, trozdem hat uns die Privatfuehrung bestens gefallen!

Heute haben wir die morgige Besteigung des 6310 Meter hohen Chimborazos organisiert. Wir sind voll motiviert, den Gipfel – fuer beide von uns waere das unser absoluter Hoehenrekord – zu erreichen! Mein letztes grosses Abenteuer!

Mir laeuft die Zeit zwar nicht davon, allerdings neigt sich meine Zeit sehr bald dem Ende zu. Grund genug, sich ein paar Gedanken ueber meine Rueckkehr zu machen. Fakt ist, dass ich mich riesig auf meine Heimkehr freue, auf mein geliebtes Bayern, auf meine Familie, auf meine Freunde und all die Leute, die einfach zur Heimat dazu gehoeren, auf meine Bands, auf meine Gitarren, auf exzessive Proben und Jam-Sessions, auf zukuenftige Gigs, auf meinen Sylvenstein, auf meinen Leger, auf meine Gumpen, auf ein Tegernseer Spezial und ein Holzkirchen Oberbraeu – oder mehrere -, auf einen Schweinsbraten, einen Kalbsrahmbraten, eine Leberkaessemmel und eine Dampfnudel, … Die Liste laesst sich sicherlich noch beliebig erweitern. Dennoch denke ich, dass ich auch einiges vermissen werde: Ich muss mich von Suedamerika, einem Kontinent in den ich mich vielleicht sogar ein bisschen verliebt habe und der fuer mich neun Monate lang eine Heimat war, verabschieden, vom Spanischen, einer Sprache, die mir inzwischen mindestens genauso vertraut ist wie das Englische, von dem unbeschwerten, freien und aufregenden Leben eines Reisenden, quasi ohne Probleme, ohne Verpflichtungen, heute hier, morgen da, von meinem Status als Gringo, von der gelassenen Mentalitaet der Leute, … Momentan freue ich mich noch auf die kommenden zwei Wochen und auf den Tag, an dem mein Flieger vom Boden abhebt, aber spaetestens beim Fliegen wird sich eine gewisse Traurigkeit mit der Freude vermischen – gemischte Gefuehle also.

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