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  • AutorenbildMichi

Martinique – Panama

16.12.2016 – Tag 70

Die Tage auf Martinique waren durchaus erlebnisreich… Raubüberfall, tropischer Regen, Regen, Regen, beinahe tägliches Herumkraxeln auf sämtlichen Masten, die die Johnny zu bieten hat, Abendessen mit Manuel und Mira in einem netten Eck-Café einer angeblich berühmten Musikerin aus Haiti, Seekajaken zu einer unbewohnten Insel (dazu habe ich auf dem offiziellen HSHS-Blog einen Bericht geschrieben), diverse Willkommens-/Geburtstags-/Abschiedsparties in unserem See- bzw. Biergarten, Verproviantierung, Ausflug nach Saint Pierre, das von dem verlustreichsten Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts 1902 quasi vollständig zerstört wurde (29.000 Tote), und zu einem schwarzen Traumstrand im äußersten Norden der Insel usw.

Heute ist Tag 70, d.h. ein Drittel der Reise liegt hinter uns! Neue, nette Stammcrew an Bord, morgen Abend Ankern in der Prickly Bay vor Grenada. Eine Woche Tauchkurs!

17.12.2016 – Tag 71

Leck o mio, nicht nur an Land passiert viel, auch die See hat Einiges zu bieten! Der Reihe nach…

Nach dem Auslaufen aus Fort-de-France übten wir zunächst ein paar Segelmanöver – Halsen und Wenden. Es war ein sehr entspannendes Gefühl, wieder auf See zu sein! Nach dem Kaffee machte ich also ein Nickerchen… Gegen 18:00 Uhr bin ich schließlich wieder an Deck. Vor uns treibt ein Boot/Schiff mit defekter Maschine immer weiter in das Karibische Meer hinaus. Seenot!!! Wir verständigen uns per Funk, wollen uns die Sache einmal anschauen. (Unser Kapitän Norbert hat jahrelang Schiffbrüchige aus der Nord- und Ostsee gerettet!) Es handelt sich um ein kleines, etwa 25 m langes Frachtschiff, wir haben 400 PS unter Deck, Norbert entscheidet sich dazu, den Frachter durch die Nacht nach St. Lucia zu schleppen (gute 30 sm, knapp über 3 kn, also etwa 10 Stunden)…

Wir bergen alle Segel in der stockfinsteren Nacht. Wir richten die langen Schleppleinen her, verknoten diese, damit sie noch länger werden. Wir konstruieren ein ausgeklügeltes Kräftedreieck. Der Frachter aus St. Vincent befindet sich nun unmittelbar vor uns. Die See ist rau, die Wellen sind hoch, die Wind pfeift, die Verständigung ist aufgrund von Sprachbarrieren schwierig. So geht fast alles schief, was schief gehen kann!

Wir kreuzen den Frachter in unmittelbarer Nähe, allerdings sind wir doch zu weit weg, um die Wurfleine hinüber schmeißen zu können. Also, volle Kraft rückwärts! Maschine stop! Erster Wurf. Die Leine verfehlt ihr Ziel. So auch der zweite Wurf. Der in den hohen Wellen mehrere Meter auf und ab schwankende Bug des Frachters kommt unserem Heck bedrohlich nahe. Spätestens jetzt haben alle an Bord nicht nur Adrenalin im Blut, sondern richtig schiss! Uns stockt der Atem! „Go ahead, go ahead!“, schreit einer der Vincentianer und fuchtelt dabei mit seinen Armen durch die Luft. Wir bewegen uns jedoch noch immer nicht vorwärts! Kollision…? Im wirklich allerletzten Moment haut der Maschinist (?) den Vorwärtsgang rein und wir können eine Kollision verhindern. Manche sind kreidebleich.

Irgendwann gelingt schließlich ein Wurf. Die Vincentianer ziehen unsere Wurfleine sowie unsere Schleppleine an Bord. Einer unserer Steuermänner schreit: „Wo ist der Knoten?“ Ich nehme den Knoten in die Hand. Unsere ausgeklügelte Konstruktion erweist sich als „peinlich“, so Norbert. Wir haben tatsächlich im Eifer des Gefechts die beiden Enden der längeren Leine miteinander verknotet. Nun hängt der Frachter an einer eigentlich viel zu kurzen Leine. Zudem verlief diese unter unserem Dinghi und drohte, es zu beschädigen. Drauf geschissen! Wir schleppen trotzdem…

Karibisches Meer

Die Lita…


In der Nacht habe ich alles andere als gut geschlafen! Jedes mal, als die Maschine runter fuhr, dachte ich, der Frachter könnte uns achtern drauf donnern. Menschen, die in (See)not geraten sind, zu helfen, sollte selbstverständlich sein!!! Selber dabei in (See)not zu geraten muss allerdings wirklich nicht sein!

Vor dem Frühstück war St. Lucia schon zu sehen. Eine sehr schöne Insel, v.a. die beiden imposanten sowie bekannten Pitons. Wir sollten die Vincentianer einfach in eine Bucht schleppen, damit wäre für uns die Sache getan. Ein Lotse nähert sich. Nun könnten sie eigentlich ankern. Die Verständigung ist wieder schwierig. Die Vincentianer haben Angst, dass ihr Anker nicht hält. Also, wieder raus aus der Bucht. Ein Schlepper soll kommen… Nur wann? Außerdem haben die Barbadier kein Geld, der Schlepper will allerdings sofort bezahlt werden. Somit werden wir „das Problem“ nicht los. Die Vincentianer erkundigen sich, wohin wir wollen. Grenada. Ob es möglich wäre, dass wir sie bis St. Vincent (eine Insel südlich von St. Lucia) schleppen, dort würden sie abgeholt werden. Und was wir uns dafür als Kompensation vorstellen? (Diese Frage habe ich mir übrigens auch schon gestellt.) Unser neuer Steuermann, ein Jurist, zuckt mit den Schultern. Norbert schaut ihn an… Nichts!!! Ein Akt der MENSCHLICHKEIT!!!

St. Lucia

… und deren Crew


Es ist leichter, einfach wegzuschauen, wenn es Probleme gibt. Wir hätten ebenso gut von Anfang an nicht schleppen können, wir hätten die Vincentianer einfach treiben lassen können… Aber ist es besser? Auf Martinique waren wir zu Gast bei Menschen, die gegeben haben, was sie hatten. Nun geben wir, was wir haben…

20.12.2016 – Tag 74

Wir haben es doch noch rechtzeitig nach Grenada geschafft! Die Leine ist natürlich gerissen, erneute Rettungsaktion. Schlepper… Seit gestern Tauchkurs, ansonsten Cocktails schlürfen, pura vida!!!

25.12.2016 – Tag 79

Tauchkurs bis 19 m Tiefe. Sonnenstich. Kratersee, Wasserfall. Heiligabend… Frohe Weihnachten und an guad’n Rutsch! Morgen geht’s auf Richtung San Blas…

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Weihnachten mal anders


05.01.2017 – Tag 90

Zunächst „a guad‘s Neis“ an alle!!! Die über 1000 Seemeilen von Grenada zu den Kuna Yala-Indianern sind wir fast schon geflogen! Teilweise haben wir über 200 Seemeilen am Tag zurückgelegt… Dennoch bin ich froh, dass Weihnachten und Neujahr nun endlich vorbei sind – obwohl es relativ entspannt war, bin ich kein Fan mehr davon. Zudem habe ich mich ganz schön gelangweilt. Ich habe lediglich an zwei Tagen unterrichtet – jeweils drei Stunden – und da es für mich sonst nichts zu tun gab, habe ich den Großteil in meiner Koje verbracht.

Karibisches Meer

Meine Koje


Seit ein paar Tagen sind wir nun aber im autonomen Gebiet der Kuna Yala-Indianer unterwegs… Spannend! Ich als alter Indianerfreund fühle mich hier definitiv wohl! Die Indianer kommen mit ihren Einbäumen – Cayuco bzw. Ulu? – oft an unser Schiff und wollen Molas und Armbänder verkaufen – heute habe ich meine Mola von einem wahren Künstler namens Venancio erworben, ein Vogel der in den angrenzenden Bergen daheim ist – oder bitten um ein paar Liter Wasser – auf den traumhaften Palmeninseln selber gibt es nämlich kein Süßwasser!

San-Blas-Inseln

Meine Mola


Vorgestern hatten wir dann den ersten Landgang auf die Insel Wichub Wala… Überall lag Müll und wir sangen/spielten ein paar Lieder in der mehr als notdürftig zusammen gezimmerten „Kirche“ des Dorfes vor etwa acht Zuhörern – die deutsche Nationalhymne a cappella, „My Johnny is over the ocean“, irgendein Kirchenlied auf Latino und als Zugabe „Die Gedanken sind frei“ auf landlerisch. Ich natürlich an der Klampf‘n, unser anderer echter Bayer auf der Geige. Danach haben wir uns noch umgeschaut und in der einzigen Kneipe unser ersten Bier aus Panama für 1,25 Dollar getrunken – Balboa.

Am nächsten Tag auf die Nachbarinsel Nalunega. Dort waren wir zunächst Gast im Congreso, also im Rathaus, welches allerdings fast schon heilig ist. Für uns also eine große Ehre, wenn auch erkauft… In der 9000 Dollar teuren Indianerhütte haben uns drei der vier Sailas – Bürgermeister – Rede und Antwort gestanden. Später haben sie noch auf unserer Johnny gebrotzeitelt. Weiter in die Kirche. Gottesdienst für bzw. mit uns. Nochmal unser inzwischen gar nicht so schlechtes Kulturprogramm zum Besten geben. Mit den Kindern spielen. Im Einbaum segeln. Molas anschauen, aber nicht kaufen… Irgendwann habe ich meine Klampf‘n auf dem Basketballplatz ausgepackt und Manu Chao gespielt. Den Kindern hat es gefallen. Bissal Tanzen, einer der Buben trommelte auf dem Kopf eines anderen im Takt. Wir lieferten uns ein Duell. Auf einmal hatte ich noch einen Kleinen auf den Schultern, der sich eine Banane pflücken wollte. Immer weiter spielen! Auch unsere Schüler haben sich sehr schnell mit den Einheimischen angefreundet, weshalb wir uns schweren Herzens von ihnen wieder trennen mussten. Ein tolles Erlebnis!

Zurück auf dem Schiff habe ich 9 Kilo frischen Fisch – v.a. Red Snapper – für alle für lediglich 40 Dollar gekauft. Dazu noch Langusten und Tintenfisch für 10 Dollar. Fische ausnehmen. Ein Festmahl! Noch dazu ist unser Proviant fast aufgebraucht und seit Tagen verbrauchen wir so wenig Trinkwasser wie nur irgendwie möglich, weil unser Wassermacher kaputt ist. Heute Vormittag Segelmanöver üben, heute Nachmittag Schnorcheln an einem Wrack direkt vor Dog Island . Paradiesisch! Auch mein Spanisch wird wieder besser, mit den Indianern halte ich gerne nette Gespräche! Wunderbare Wochen erwarten uns!

09.01.2016 – Tag 94

„Canyoningtour“ auf dem Festland mit der transvestiten Kuna Yala-Indianerin Lisa…

Die letzte Nacht haben wir fast wie Robinson Crusoe auf der unbewohnten Insel Olosicuidub verbracht – in der zwischen zwei Palmen aufgespannten Hängematte. Für mich tatsächlich eine Premiere! Allerhöchste Vorsicht war allerdings vor herabstürzenden Kokosnüssen geboten! Gar nicht so ungefährlich! Dazu „Plantschen“, Jonglieren, Grillen – fette Langusten – Lagerfeuer, Gitarre spielen, auf Boarisch mit unserem einzigen Boarisch sprechenden Schüler ratschen, damit ich‘s nicht verlern‘, auf Spanisch mit den beiden Indianern, denen wir die Langusten für 60 Dollar abgekauft haben und die auch auf der Insel übernachteten, ratschen, ratschen, ratschen usw…

13.01.2017 – Tag 98

Vorgestern Isla Grande, sehr entspannt…

Panama

Seit gestern Ankern vor Portobelo. Hier hat im 17. Jahrhundert Sir Henry Morgan – die meisten kennen ihn wohl als Hochprozentigen – den Spaniern, Gold, Silber und andere Reichtümer, die die Spanier wiederum den indigenen Völkern Lateinamerikas gestohlen haben, abgeknüpft – teilweise sogar im Auftrag der englischen Krone… Bier und Batido im Captain Jack‘s. Internet. Straßensnacks, scharf und süß. Kirche. Schwarzer Jesus. Supermärkte…

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