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Lytton 8

Wie immer ist seit meinem letzten Eintrag viel passiert im Land der Berge, Fluesse und Seen. Ein Versuch, meine Gedanken zu ordnen:

Nach meinem Tief am Sonntag nach zwei nicht bestandenen Famtrips folgte am Montag logischerweise ein ziemlich lustloser Arbeitstag: Campingausruestung fuer unseren gemeinsamen Campingtrip zusammenpacken, shuttlen, schaufeln, Erde platt walzen, Propeller wechseln, shuttlen, Erste-Hilfe checken…

17.00 Uhr. Verlaengertes Wochenende nach elf Tagen Bucklerei!!! Und es folgte ein Hoch! Zu dreizehnt (wenn ich mich recht erinnere) ging es mit zwei bis oben hin vollgepackten Trucks hinauf in das schoene, einsame Botanie Valley. Am Ufer des Pasulko Lakes haben wir unser Lager aufgeschlagen. Mitten im Nirgendwo. Natuerlich mutterseelenallein. Lagerfeuer, Countrymusik, “all you gotta do is pour a drink in my hand”, ein koestliches, von Kumsheen gesponsortes Abendessen, fuenf Gitarren, zwei Djemben, eine Mundharmonika, noch mehr Musiker, unzaehlige Colt 45s… Als sich ein Grossteil der Mannschaft gegen Mitternacht in die Zelte verkroch, fing die richtige Party erst an: Mit Kimbo, Murphy und Co. wurde bis zum Sonnenaufgang ums Lagerfeuer getanzt. Am naechsten Morgen sind Kimbo, Murphy und ich mit Bradens Indianerkanu gepaddelt. Angeln. Leider nach wie vor ohne Erfolg. Nach weiteren Jamsessions ging es zurueck nach Lytton. Ein Braunbaer am Strassenrand machte unseren Ausflug zum perfekten Campingtrip.

Doch damit nicht genug: Andrew, Steve und Co. haben mich eingeladen, mit ihnen auf einen weiteren Paddelcampingtrip mitzukommen. So ging es am naechsten Tag gegen Mittag mit drei Kajaks auf dem Dach, einem Raft, zwei Gitarren und einer Djembe auf der Ladeflaeche nach Keremeos im suedlichen Okanagan Valley. Bevor wir unser Lager am Ufer des wilden Ashnola Rivers aufschlugen, sind wir noch den Similkameen River geraftet. Erwartet habe ich einen Extreme-Raftingtrip, daraus geworden ist eine klassische Saufboottour mit genuegend Dosenbier im Drybag auf einer “besseren Isar”. Auch recht. Von unserer letzten Nacht am Lagerfeuer und unserer Saufboottour deutlich mitgenommen, ging es nach einem “campfire dinner at its best” (Steak, Kartoffeln, Paprikas, Zwiebeln, Knoblauch) – alles zubereitet vom Chefkoch Steve – zeitig (gegen Mitternacht) in den Schlafsack. Da es sich am darauffolgenden Tag tatsaechlich um eine extreme Paddeltour handelte (ueber 20 km kontinuierliches Class 4 Wildwasser) sind den Ashnola River nur Andrew, Steve und der andere lustige Kerl, dessen Namen ich leider nicht weiss, gekayakt. Ich habe es ruhig angehen lassen und bin zusammen mit der Sam, der Elice und deren Hund Indie indisch Mittag essen und Thrift Store shoppen gegangen. Doch zuvor noch mein Highlight des Tages: Bei Traumwetter durfte/musste ich den alten Toyota Truck von dem lustigen Kerl vom Put-in zum Take-out fahren. Barfuss und in der Badehose ging es auf einer 20 km langen Forststrasse wieder einmal durch Beautiful British Columbia, neben bzw. unter mir der stetig donnernde Ashnola River, ein tief eingeschnittenes Tal, Granitfelsen. Aus den Boxen des Trucks duddelte Thievery Corporation und lies meine Gedanken schweifen:

BC ist wirklich wunderschoen. Dieses riesige, wilde Land voller Berge, Fluesse und Seen, Baeren, Gletschern und woass der Deife wos, in dem es noch so viel zu entdecken gibt. Ich sage es zwar ungerne, aber BC ist einfach geiler als Bayern! Nichtsdestotrotz liebe ich meine Heimat. Was muesste man also aendern, damit Bayern so geil wie BC waere? Man “begrenze” Oberbayern auf die gesamten Alpen, nehme diese Flaeche mal fuenf, reduziere aber die Einwohnerzahl pro Quadratkilometer gleichzeitig von 50 auf 5, “Deppen, Gschafftlhuaba, Groasskopfade, Sieb’ngscheide und Nazis raus!” Die Bayern waeren dann die First Nations, die Preiss’n die Nachfahren europaeischer Einwanderer, Asiaten oder Inder, Minga waere Vancouver und noerdlich davon laege die Ostsee. Minga waere noch viel multikultureller als es den meisten engstirnigen, CSU waehlenden, “echten” Bayern wohl recht waere und Bayern waere v.a. viel liberaler! Man wuerde wegen einem Baeren oder einem Wolf keinen laecherlichen Aufstand machen und erst recht keine finnischen Jaeger einfliegen, die sich im Jachenau Valley auf Kosten der Steuerzahler die eigene Birne und nicht den Problembaeren wegknallen. “Leben und leben lassen!!!” Es wuerden nicht in jeder scheiss Felswand 30.000 Bohrhaken stecken, es gaebe keine Klettersteige, man koennte noch viele Berge erstbesteigen und nicht auf jeden scheiss Huegel wuerden acht Schlepplifte, fuenf Sessellifte und zwei Gondeln gehen. Die Isar waere noch “die Reissende” wie sie frueher einmal war, nicht zigmal begradigt und wieder renaturiert, aufgestaut und gezaehmt. Ein- und umbetoniert!!! So viel zum Thema Bayern vs. BC.

In BC lernt man fast jeden Tag etwas Neues, weshalb ich in Zukunft meine Sommer- und Winterreifen mit Leichtigkeit selber wechseln kann…

Ansonsten habe ich die Tage leider zwei Shows in unmittelbarer Naehe von Lytton – Lillooet und Ashcroft – von den Freigeistern von The Tequila Mockingbird Orchestra verpasst, die ich jedem Leser meines Blogs ans Herz legen moechte.

Mein heutiger Arbeitstag war dafuer ziemlich beschissen. Da der Thompson River momentan so viel Wasser fuehrt wie selten sonst – 3400 Kubikmeter pro Sekunde, d.h. 170 mal die Isar in Lenggries bei normalem Wasserstand – und wir morgen 180 schreiende Teenager sicher durch die Devil’s Gorge bringen muessen (Schwimmen kann trotz Schwimmweste sehr, sehr leicht toedlich enden!), verwenden wir inzwischen Outrigger an unseren J-Rigs, also insgesamt vier ueberdimensionale Schwimmkoerper pro Boot. Von oben wurde den ganzen Tag nach unten gebuttert, weshalb ich saemtliche, vorhandene Tubes, von mir gerne “heavy bitches” genannt, aus dem hintersten Containereck ziehen durfte. Bei einer Affenhitze. Ueberstunden. Am Staff Dinner habe ich nicht teilgenommen, weil ich heute nach ueber neun Stunden Herumkommandiererei bisschen Abstand brauchte…

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