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  • AutorenbildMichi

Lytton 2

Endlich habe ich die noetige Zeit, um den letzten nun schon dreieinhalb Wochen in Worten Gerecht zu werden… Hier ein Versuch:

Die zweite Woche der Rafting Guide Ausbildung war sogar noch besser als die erste! Neben dem Chilliwack River haben wir den wunderschoenen Nahatlach River kennengelernt. Jeden Tag Paddeln bzw. Rudern – Adler haben uns dabei beobachtet -, fast jeden Tag Klampfen am Lagerfeuer, eine Woche kein Dach ueber dem Kopf, das einzige Dach war mein Zelt, geduscht wurde kollektiv nur einmal, im Hallenbad von Chilliwack, wo wir uns vom bitterkalten Wildwasserschwimmen im gleichnamigen Fluss erholten. Eines der Highlights des Roadtrips: unsere River Sauna! Man baue ein Konstruktion aus Aesten, werfe ein Tarp darueber, lege gluehend heisse Steine hinein, Aufguss… Fertig ist eine vier bis fuenf Mann Sauna! Am Ende der Woche standen uns eine Menge Pruefungen bevor: Safety Talk, Raft flippen, Wurfsack werfen, Flschenzug bauen, … In der schriftlichen Pruefung habe ich 88% erreicht, im Rudern von 100 erreichbaren Punkten 93, im Paddeln 94. Damit war ich mit Abstand der Beste und sogar besser als mein Ausbilder damals.

Nach einem “Interview” wollte Kumsheen uns loswerden, um in Ruhe eine Entscheidung zu treffen. So bin ich ins “nur” 250 km entfernte Squamish getrampt. Die Tramperei dorthin war natuerlich wieder eine Geschichte fuer sich: Unser Indianer im Team, Mike Lightfoot, hat mich nach Lytton gebracht, Gitarre spielend habe ich am Strassenrand bei geschaetzten 30 Grad auf den Bienenbob gewartet, der mir eine Mitfahrgelegenheit nach Lillooet gegeben hat. Weiter ging es mit Cliff bis nach Squamish, allerdings mussten wir am Duffy Lake etwa vier Stunden warten, da uns eine bis zu fuenf Meter hohe Nassschneelawine den Weg versperrt hat. So kam es an dem wunderschoenen See zu einem spontanen Happening: Niemand hat sich beschwert, Inder haben mit Schweizern und Kanadiern ihr Essen geteilt, die einen haben Karten gespielt, die anderen Gitarre… Als um 19 Uhr allerdings immer noch nichts weiter ging, war es vorbei mit dem Happening… Untergekommen bin ich in einem Hostel, am nechsten Tag ging es aber gleich weiter zum Kletterercampingplatz am Fusse des Chiefs, einem bis zu 700 Meter hohen Granitmonolithen – vergleichbar mit dem El Cap im Yosemite und somit ein wahres Kletterparadies!!! Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, bin ich auf alle drei bzw. vier Gipfel des Chiefs gewandert, habe Hoehenluft geschnuppert, genialsten Granit unter den Fingern gehabt, gewaltige Wasserfaelle bewundert… Alles bei Traumwetter, 700 Meter unter mir haben Kiteboarder sich auf dem Ozean ausgetobt. Ich hatte sehr, sehr hohe Erwartungen an Squamish, welche Gott sei Dank alle erfuellt wurden. Da Kumsheens Motorboottraining am Donnerstag um 8 Uhr in der Frueh beginnen sollte, musste ich am Mittwoch leider schon wieder zuruecktrampen. Von Squamish nach Whistler hat mich Sam mitgenommen, von Whistler nach Pemberton Rick, waehrend meiner Mittagspause ist ein Lama an mir vorbeigesprungen, eine alte Indianerin hat mich zum Lillooet Lake gefahren, dann war fuer zweieinhalb Stunden erst mal Schluss. Ein Althippie hat mich schliesslich nach Lillooet gebracht, auf der Fahrt haben wir u.a. Neil Young und Donovan gelauscht und zwei Schwarzbaeren am Strassenrand gesehen… Nur noch 60 km von daheim entfernt war dann endgueltig Schluss. Der Highway 12 zwischen Lillooet und Lytton sollte zu meiner groessten Geduldsprobe werden. Ein Ding der Unmoeglichkeit! Busse gibt es keine, so habe ich direkt neben dem Highway mein Lager aufgeschlagen. Am naechsten Morgen bin ich um 5.30 Uhr aufgestanden, um vielleicht doch noch puenktlich zum Training zu kommen. Und siehe da: Die gute alte Rose hat mich zwoelf Stunden nach meiner Ankunft in Lillooet bis zum Kumsheen Rafting Resort gebracht. Ich war der einzige, der puenktlich war! Was fuer ein Trampabenteuer!!! Zweieinhalb Stunden arbeiten, das Training beginnt…

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, fuer wen sich Kumsheen neben mir noch entschieden hatte, naemlich fuer meinen alten  Spezl Murphy und fuer unseren Indianerlocal Mike! Besser haette es nicht sein koennen! Seit einer Woche heizen wir drei nun schon mit verschiedenen Ausbildern – Tom, Ryan, Steve – mit 22 Fuss langen J-Rigs, ausgestattet mit 2-Takt 25 PS, 30 PS oder 4-Takt 25 PS Motoren, den Thompson River hinunter. Die Devil’s Gorge des Thompson Rivers ist das Beste, was BC bzw. Kanada in Sachen Whitewater zu bieten hat und wird weltweit wohl lediglich vom Grand Canyon des Colorado Rivers und vom Sambezi in Afrika getoppt! Wer mehr ueber meinen neuen Arbeitgeber erfahren moechte, dem sei kumsheen.com und v.a. youtube.com/kumsheenrafting empfohlen! Kumsheen bietet seit 1973 kommerzielle Raftingtouren an und war somit meines Wissens Nummer 1 in Kanada und Nummer 2 in Nordamerika bzw. weltweit!

Inzwischen habe ich neben vielen netten, paddelfanatischen Arbeitskollegen auch schon so etwas wie richtige Freunde gefunden… Neben dem Murphy sei unser verrueckter, paddel- und angelgeiler Kimbo erwaehnt, der mir gestern Abend kurzerhand meinen Schaedel kahl geschoren hat… Murphy hat mir dabei bruederlichst 8% starkes Billigindianerbier und Whiskey eingefloesst. Wovor ich so lange Angst hatte, schaut tatsaechlich gar nicht mal so schlecht aus. Definitiv ein bisschen gewoehnungsbeduerftig – immerhin schaue ich jetzt nicht mehr wie ein langhaariger Hippie, sondern eher wie ein englischer Hooligan aus -, aber v.a. fuer einen Raftingguide genialst pflegeleicht… Da die beiden unglaublich gute Gitarristen sind und jeder von uns eine Gitarre mitgebracht hat, kommt auch die Musik nicht zu kurz!

Letzten Freitag waren die Lytton Days… Was fuer Holzkirchen das Fruehlingsfest ist, sind fuer das Indianerkaff die Lytton Days! Alte Indianer tanzen zu weissem Rock’n’Roll auf den Strassen. War recht lustig anzuschauen, allerdings hatten Mary, Murphy, Kimbo und ich einen gewaltigen Durscht (Alkohol ist im Indianerkaff eine Mangelware bzw. abartig ueberteuert! )! So ging es in Lyttons einziges Pub, welches sich ueberraschenderweise als super laessig herausgestellt hat… Nach unzaehligen Pitchern und Billiardpartien wurde von der neuen Kumsheen Staff der Tanzfloor erobert… Dank Schuhplattler- und Breakdancemoves wurden recht leicht neue Bekanntschaften gemacht. Die Indianerinnen Suedamerikas waren generell um einiges huebscher als die Nordamerikas, was aber nicht heissen soll, dass es hier keine huebschen Indianerinnen gibt.

Mein Deutsch wird immer schlechter, mein Englisch dafuer umso besser. Da ich inzwischen im Besitz eines Netbooks bin, hoffe ich, in Zukunft besser mit der Heimat in Kontakt bleiben zu koennen. Nicht, dass ich noch mein gelobtes Bayernland vergesse! Den Kanadiern sage ich inzwischen immer: “BC ist wie Bayern, nur viel geiler!”

Neben Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten, sprich Raften, Raften, Raften, habe ich schon einige Projekte fuer den Sommer. Vom Kimbo will ich angeln lernen – zum wunderschoenen Guide-Hangout Rattle Snake Beach am Thompson River sind es nur steile fuenf bis zehn Minuten Fussmarsch, dort gibt es auch jede Menge Boulderprobleme, die geputzt und geloest werden wollen, Kayaken steht natuerlich auf dem Programm, vielleicht schiessen wir mit dem Kimbo sogar einen Hirschen!!! Jede Menge Roadtrips natuerlich, Klettern mit dem Murphy, Charles Bradley spielt auf dem Squamish Music Festival, Techno-Parties von unseren “Konkurrenten” Hyak, wir wollen unser eigenes Bier brauen und unsere eigenen Tomaten anbauen, Lagerfeuersessions, Lagerfeuersessions, Lagerfeuersessions, … Nach unserem Motorboottraining stehen noch Fam-Trips im Paddeln, Rudern und Motorbootfahren an, ein Swiftwater Rescue- und ein Wildnis-Erste-Hilfe-Kurs. Danach sind wir die wohl am besten augebildeten Raftingguides, die es gibt, die Welt sollte uns endgueltig offen stehen! Unsere Guides bleiben im Durchschnitt acht Jahre bei Kumsheen, Braden koennte mir in Zukunft sogar eine Arbeitserlaubnis fuer Kanada besorgen… Aus einer Schnapsidee ist eine geniale Zeit im genialen BC geworden. Alles hat so geklappt wie ich mir es vorgestellt habe! Kanada hat mir einmal wieder bewiesen, dass man alles, aber wirklich alles schaffen kann, wen man es wirklich will!!!

Neue Fotos kommen in Kuerze…

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