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  • AutorenbildMichi

Kuba – Hamburg

Aktualisiert: 8. Nov. 2023

11.03.2017 – Tag 155

Noch 56 Mal schlafen…

15.03.2017 – Tag 159

Heute sind wir an Miami Beach vorbei, womit wir uns nun im Nordatlantik und somit in den Subtropen befinden. Die Temperaturen haben deutlich abgenommen, unsere Schüler haben zu Recht ihr Ölzeug wieder an. Wind und Wellen sorgen für Übelkeit. Auch ich stand mal am Ruder, teilweise spritzt die Gischt bis zum Ruderstand… So macht Segeln Spaß!

Heute nacht/morgen früh kommen wir in Freeport, Bahamas an, wo wir allerdings nicht an Land gehen werden, sondern lediglich bunkern (tanken). Um Kuba herum mussten wir zu viel unter Maschine fahren.

Noch 52 Mal schlafen…

19.03.2017 – Tag 163

Die letzten Tage war ich ziemlich genervt und demotiviert… Seitdem wir Kuba verlassen haben, neigt sich das Projekt endgültig dem Ende zu. Es kommen für mich keine Highlights mehr, nichts, worauf ich mich noch so richtig freuen könnte. Außer auf Daheim!!! Wobei auf den Gin Tonic, nein, auf die Gin Tonics im Petter Café Sport in Horta auf den Azoren freue ich mich schon! Die Atlantiküberquerer-Kneipe schlechthin, in der sich keiner wundert, wenn man seine gelungene Überquerung(en) tanzend auf den Tischen feiert. Also, genau das Richtige für mich… Nichtsdestotrotz, die Heimkehr mit dem Segelschiff nach tollen fünfeinhalb Monaten verlangt mir viel Geduld ab. Noch 48 mal schlafen… Ich zähle die Tage bis zu unserer Ankunft in Hamburg schon seit geraumer Zeit rückwärts. Heute habe ich mir sogar einen “Abreißcountdown” gebastelt. Noch 48 mal schlafen, dann darf ich endlich wieder mein Leben so leben wie ich es will. In Freiheit! Mögen die Daheimgebliebenen denken, ich mache mal wieder mehrere Monate Urlaub. Jaja. Welch entbehrungsreiche und anstrengende Zeit! Was das alleralleraller Anstrengendste überhaupt war bzw. ist? Die Stammcrew! Wegen jeder Kleinigkeit regen die sich auf. Hier ein Krümel, da ein Krümel. Ich habe schon längst auf Durchzug geschaltet! Seit der Erfindung der Wohngemeinschaft ist wohl das Thema Sauberkeit Streitthema Nr. 1. Ich kann es einfach nicht mehr hören! Es kotzt mich an!

Unsere Schüler dagegen finde ich nach wie vor super, weshalb sie mir sicherlich abgehen (Meine norddeutschen Schüler mussten erst lernen, dass für einen Süddeutschen ‘abgehen’ fehlen heißt, “Geht noch wer ab?”, haha…) werden. Immerhin sind sie nicht nur meine Schüler, sondern v.a. auch meine Reisegefährten meiner bisher zweitlängsten Reise! Wir bestreiten dieses kleine Abenteuer Tag für Tag gemeinsam, wir hocken (wieder so ein süddeutsches Wort) alle im gleichen Boot. Und auf Augenhöhe lehrt bzw. lernt es sich sowieso viel besser als von oben herab! 15- bis 17-Jährige brauchen halt auch mal ihre Freiheiten und können nicht 7 Monate lang 24/7 kontrolliert, schikaniert und was weiß ich noch alles werden. Ab und zu muss auch einmal ein Auge zugedrückt werden – oder zwei. Ich denke, die Schüler schätzen meine Art sehr. Ich “befehle” nur, wenn unbedingt nötig und nicht inflationär. Ich respektiere sie und sie respektieren mich. So hat mich der ein oder andere Schüler auch schon als seinen Lehrer des Vertrauens auserwählt, was mich natürlich sehr freut. Generell betrachte ich mich hier an Bord als das ausgleichende Element, das dafür sorgt, locker zu bleiben. Oft kein leichter Job!

Ach ja, heute habe ich eine Klausur bzw. Arbeit in Politik schreiben lassen. Zudem soll der Wind diese Nacht noch ziemlich kräftig werden. Meine Koje schaukelt schon ordentlich. Am liebsten würde man sich anschnallen… Gute Nacht.

22.03.2017 – Tag 166

Bermuda! Sau teuer!

02.04.2017 – Tag 177

Die Tage auf den Bermudas waren überraschend gut! Die Einheimischen waren unwahrscheinlich freundlich. Stets wurde man auf den Straßen gegrüßt. Auch der Ausflug zur wunderschönen Horseshoe Bay war top! Türkisfarbenes Wasser, weißer Sand und meterhohe, schwaze Felsen zum Kraxeln… Zudem war ich mal wieder Joggen.

Inzwischen ist unser dritter Tag auf See, wir kommen gut voran und sind hoffentlich schon ein paar Tage früher auf den Azoren. Die Zeit vertreibe ich mir mit Lesen (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo!!!), Gitarre üben (Ocean von John Butler) und Podcasts hören. Außerdem haben wir 3 Ms einen neuen Kammermitbewohner – Steffen. Anfang der 90er wurde er fünfter bei den Olympischen Spielen im 3000m-Hindernislauf. Netter, lässiger Typ!

Noch 34 Mal schlafen…

16.04.2017 – Tag 191

Seit einigen Tagen sind wir in Horta auf Faial, einer von insgesamt neun Inseln der Azoren. Vulkane, sattes Grün, Kühe, Meer… Und natürlich Peter Café Sport, die Transatlantikseglerkneipe schlechthin. Auf vier aufeinander folgenden Abenden war ich viermal anwesend. Die Fischsuppe kostet 1,75 €, der angeblich weltbeste Gin Tonic 2,90 €! Und am Wochenende gibt es Livemusik auf die Ohren… Ein Ganztagesausflug führte uns zum Vulcão dos Capelinhos. Durch diesen Vulkanausbruch Ende der 60er entstand in 13 Monaten knapp vor der Küste Faials eine kleine Insel, die schließlich mit der Hauptinsel zusammenwuchs. Aus geologischer Sicht unglaublich spannend! Ansonsten war ich wieder Joggen, bergauf und bergab, sowie Baden im erfrischenden Atlantik. Morgen besteigen wir den mit über 2.300 m höchsten Berg Portugals namens Pico. Die Spitze dieses formschönen Stratovulkans ist sogar angezuckert!

Noch 20 Tage!

19.04.2017 – Tag 194

Ab in die Heimat!!!

27.04.2017 – Tag 202

Seitdem wir Horta verlassen haben, meinte es Neptun leider nicht ganz so gut mit uns… Die ersten Tage ging es zügig Richtung Norden, also Richtung Island oder gar Ostgrönland. Danach Flaute. Also Maschine an… Ein paar Tage später wurde der Wind allerdings wieder stärker, sodass wir mit der Maschine nicht mehr dagegen ankamen. Also wieder Segeln! Blöderweise wehte der Wind konstant aus Nordost, also aus der Richtung, in die wir wollen! Deshalb Kurs auf Portugal… Am nächsten Morgen Sauwetter! Sturmsegel setzen bei sehr rauer See! Teilweise gingen uns die Wellen auf dem Vorschiff über den Kopf drüber! Zum Glück ist keiner über Bord gegangen… Als nach zweieinhalb Stunden körperlicher Schwerstarbeit die Segel endlich oben waren, wurde der Wind natürlich wieder schwächer. Norbert meinte dazu nur: “Be soft to the sea, then the sea will be soft to you!” So ging es mit unter drei Knoten Richtung Irland. Ein verschenkter Tag… Gestern dann wieder runter mit den Sturmsegel, ich stand bei mords Wellengang ganz vorne auf dem Klüverbaum und sollte den Klüver 2 anschlagen. Um ein Haar hätte uns ein gewaltiger Stampfer der Johnny von Deck gespült… Unter Maschine in die richtige Richtung!!! Heute Segel reffen. Ich durfte zweimal auf die Rah, um die Breitfock mit der Lederschwate zu verschnüren. Morgen Mittag soll der Wind dann endlich günstig wehen – bis Dienstag. Die Zeit wird knapp! Dennoch bin ich wieder zuversichtlich, dass wir pünktlich in Hamburg einlaufen!

Noch 9 Tage bzw. 1100 Seemeilen…

30.04.2017 – Tag 205

Ob wir tatsächlich am Samstag in Hamburg sein werden, ist inzwischen mehr als fraglich. Momentan befinden wir uns am Eingang des Ärmelkanals, d.h. noch knapp 700 Seemeilen. Dafür haben wir nur noch 5 Tage Zeit… Zudem müssen wir irgendwo bunkern – wahrscheinlich in Ostende.

Als zum ersten Mal Zweifel über unsere geplante Ankunft am 6. Mai aufkamen, hätte ich Kotzen können. Inzwischen bin ich aber mit mir wieder im Reinen und denke, dass es nach diesen sieben Monaten auf ein oder zwei Tage auch nicht mehr drauf ankommt. Eigentlich hätte ich eine Woche Zeit, bevor das normale Lehrerdasein wieder beginnt. Noch dazu führe ich im Sommer zwei Alpenüberquerungen. Zeit zum Akklimatisieren, zum “daheim ankommen” bräuchte ich also schon. Am liebsten natürlich mehr als nur ein paar Tage…

Vor allem nach dieser Etappe!!! Allein heute haben wir vier lange All-hands-Manöver gemacht. Erst Segel bergen und die Baumfock austauschen, dann rauf auf die Rah, Breitfock klar machen, Breitfock und Topsegel setzen, dann Sturmsegel anschlagen und schließlich nach dem Abendessen Sturmsegel setzen! Zeit zum Verschnaufen in der Koje war rar! Zudem stand ich noch am Ruder! Nicht nur physisch, auch psychisch gehen solche Tage an die Substanz. Irgendwo findet man dadurch aber auch eine große Genugtuung! Im Kampf gegen die Elemente… Ganz ungefährlich ist es auch nicht bei uns: Gestern knallte eine Schülerin auf den Hinterkopf, heute hat sich eine andere den Finger so sehr eingequetscht, dass gleich der ganze Nagel abfiel. Dennoch schlagen sich unsere Schüler wacker, wir sind als Team zusammengewachsen, das auch in brenzligen Situationen super funktioniert, sodass man sich gar nicht vorstellen kann, dass dieser tägliche Kampf in Kürze plötzlich vorbei sein wird und jeder wieder seinen eigenen Weg geht – nach etwa 14.000 gemeinsamen Seemeilen (bzw. fast 26.000 Kilometern für euch Landratten)!

06.05.2017 – Tag 211

Doch noch pünktlich in Hamburg!!!

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