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  • AutorenbildMichi

Hamburg – Teneriffa

05.10.2016 – Tag -3

Mit meinen Eltern geht es zunächst nach Lüneburg. Bier, Mittagessen. Stadtbesichtigung. Bier, Abendessen, Bier. Schlafen.

06.10.2016 – Tag -2

Weiter nach Hamburg. 10 Uhr Konferenz. Seesack und Rucksäcke auspacken, heimisch werden. Nach und nach trudeln unsere Schüler ein. Erste Hafenwache.

07.10.2016 – Tag -1

Sicherheitstraining. Proviantlieferung, Proviant verstauen. Das ZDF verfolgt uns dabei mit der Kamera. Am Abend Bier, Burger, Bier mit Charlie und Manuel in der überschaulichen Kneipenmeile von Harburg. Altfahrer entern in der Zwischenzeit unsere „Johnny“. Hafenwache.

08.10.2016 – Tag 1

Früh motoren wir zur Verabschiedung am Sandtorhöft in Hamburg. Mit dabei meine Familie und mein alter Schulspezl Basti. Menschenmassen stürmen das Schiff und schauen sich alles ganz genau an. Ich komme mir vor, wie ein Tier im Tierpark. Unnötig viele Fotos… Auch das ZDF beweist wieder, dass Fernsehen grundsätzlich scheiße ist, indem sie unsere weinenden, da sich von ihren Familien für sieben Monate verabschiedenden Schülerinnen in Großaufnahme filmen. Pfui! Ein letztes Mal winken! Elbabwärts der Nordsee entgegen. Ankern mit Blick auf ein Atomkraftwerk. Erste Ankerwache.

09.10.2016 – Tag 2

Mit der Ebbe an Cuxhafen vorbei in die Nordsee. Nichts als Wasser, Weite und Windparks! Die Energiewende lässt grüßen… Dazwischen die einzige Ölbohrinsel Deutschlands. Im Sonnenuntergang an den rot-leuchtenden Klippen Helgolands vorbei. Ab in die schaukelnde Koje.

10.10.2016 – Tag 3

Erste Seewache von 2 bis 5 Uhr. Zwei Schüler schicke ich wieder in ihre Kojen, da sie seekrank sind. Ich dagegen habe (meiner Abschiedsparty sei Dank?) keine nennenswerte Probleme. Sternenklare Nacht mitten in der Nordsee! Mit der heutigen Technik und dem heutigen Wissen alles kein Problem… Mein höchster Respekt an die alten Seefahrer! Zwei Sternschnuppen.

11.10.2016 – Tag 4

Allmählich lösen Ölbohrinseln die Windparks ab. In der Nordsee wird es immer enger und es ist nicht ganz leicht, sich als Segelschiff an all die Verkehrsregeln zu halten.

12.10.2016 – Tag 5

Nach Tagen der Schaukelei endlich wieder Land in Sicht! Wir segeln durch den Ärmelkanal. Auf der einen Seite die im Sonnenschein schneeweißen Klippen von Dover, auf der anderen Seite die französische Küste um Calais, wo Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharr(t)en…(?) Und wir wieder einmal dem Sonnenuntergang entgegen.

13.10.2016 – Tag 6

Ich hätte nie gedacht, dass Segeln so anstrengend sein kann! Die Tage bestehen aus zwei bis drei jeweils drei- bis vierstündigen Wachen, d.h. Rudergehen, Ausguck halten, auf der Brücke navigieren usw., Essen und Schlafen. Es bleibt bisher wenig Zeit für Anderes. Da wir Tag und Nacht mit teilweise über zehn Knoten segeln und der Wind konstant aus Nordosten weht, machen wir v.a. mit unserer Breitfock täglich etwa 100 Seemeilen, sprich wir kommen gut voran. An den englischen Kanalinseln vorbei. Am Samstagvormittag werden wir voraussichtlich in Brest ankommen, wo wir eine Woche verbringen werden. Einsame und gemeinsame Landgänge! Seit gestern haben wir übrigens einen Vogel… als Bordhaustier. Wir nennen ihn Eckhardt.

14.10.2016 – Tag 7

Früher als gedacht erreichen wir Brest, wo uns schon die französische Presse erwartet! Erster Landgang! Auf Anhieb finden Manuel, Mira und ich unsere Stammkneipe namens „Les quatre vents“. Bier ohne Kohlensäure (Coreff). Schnell lernen wir einen durchgeknallten Bretonen kennen. Zurück zum Schiff. Endlich mal keine Nachtwache, d.h. eine ganze Nacht durchschlafen… Luxus!

15.10.2016 – Tag 8

Am Vormittag lernen die Schüler allerlei über das Wetter. Nach dem Kaffee und Kuchen hat dann jeder die Möglichkeit, Brest auf eigene Faust zu erkunden. Ich mache einen kleinen Spaziergang, trinke ein Bier im Quatre Vents und jongliere, bis die Sonne untergeht.

16.10.2016 – Tag 9

Immer noch Brest. Wieder Wetterkunde. Wieder Landgang. Wieder Quatre Vents. Diesmal jedoch ein anderes Bier. Und noch ein Anderes. Beide für jeweils über sieben Euro. Teurer Spaß!

17.10.2016 – Tag 10

Erster gemeinsamer Ausflug. Wir befolgen den Tipp unseres lustigen Einheimischen und fahren mit dem Linienbus nach Kerlouan. Von dort aus wandern wir zum Strand. Weißer Sand, türkisblaues Wasser, so gut wie keine Menschenseele und das Beste – schier unendlich viele, teils hausgroße Boulder aus Granit. Alles, was ich bisher über die Bretagne wusste, ist, dass man an der bretonischen Küste gut Bouldern können soll. „Zufälligerweise“ sind die Strände bei Kerlouan das Beste vom Besten in Sachen Bouldern in der Bretagne… BBBB! So verbringe ich meine Zeit – jeder, der mich kennt, wird es ahnen – bouldernd. Anschließend spaziere ich barfuß am Strand entlang, nehme ein Bad im kühlen Atlantik und jongliere mit Reggae im Ohr. Überglücklich! Café au lait im Biergarten, an zwei Treibjagden vorbei und mit dem Linienbus wieder zurück nach Brest. Cidre im… Quatre Vents natürlich!

18.10.2016 – Tag 11

Ab in die Biskaya… Es wird ernst!

19.10.2016 – Tag 12

Habe ich unsere ersten Delfine leider verpasst, so sind es in der heutigen Nachtwache dafür umso mehr: Delfine, Delfine und nochmals Delfine! Ja eine ganze Delfinschule begleitet unser Schiff steuerbords und surft verspielt in den von uns gemachten Wellen… Auch tagsüber hüpfen immer wieder Delfine aus dem Wasser, während wir Kurs auf A Coruña im spanischen Galizien nehmen, sodass die Anwesenheit dieser faszinierenden Meeressäuger wohl bald zur Normalität werden wird.

20.10.2016 – Tag 13

Schlafen. Wachen. Frühstück. Schlafen. Mittagessen. Schlafen. Wachen. Abendessen. Schlafen.

21.10.2016 – Tag 14

Mit 12,8 Knoten donnern wir durch die stockfinstere Nacht! So sind wir bereits am Morgen in A Coruña! Einsamer, ausgedehnter Spaziergang entlang der Küste zum Torre de Hércules, dem ältesten Leuchtturm der Welt. Am Abend Bier und Tapas mit den anderen drei Ms.

22.10.2016 – Tag 15

Wir – Lehrer, Schüler und Stammcrew – machen alle gemeinsam einen Ausflug nach Santiago de Compostela – mein drittes Mal… Auch diesmal empfinde ich Santiago als einen sehr, sehr komischen Ort. Einzig das Weltmusikfestival direkt vor der Kathedrale hat es mir angetan.

23.10.2016 – Tag 16

Scheißhaislweda…

24.10.2016 – Tag 17

Gemeinsamer Spaziergang zum Torre de Hércules und zum Stadtstrand. Proviant einkaufen. Den Nachmittag verbringe ich in der Hängematte. Seit heute neu an Bord ist übrigens Ulli, der Steuermann meiner Wache während des Probetörns in der Ostsee.

25.10.2016 – Tag 18

Mit einem Schüler weniger brechen wir auf zur Blumen- und Wanderinsel Madeira! Da mich in der Nacht zuvor allerdings kurzzeitig der auf unserem Schiff momentan kursierende Magen-Darm-Virus heimsucht, verbringe ich den Tag lieber in meiner Koje. Zur 19-bis-23-Uhr-Wache bin ich Gott sei Dank wieder einigermaßen hergestellt. Bleibt noch der heftige Husten, der seit paar Tagen in der Lehrerkammer eine Sinfonie nach der anderen zum Besten gibt.

26.10.2016 – Tag 19

Sonnenaufgang. Wasser, Wasser, Wasser. Sonnenuntergang.

27.10.2016 – Tag 20

Das Leben auf See kann durchaus sehr monoton sein! Jeden Tag die gleichen Gesichter, jeden Tag sowohl zum Frühstück als auch zum Abendessen die gleiche Wurst- und Käseplatte – kleine Salami, große Salami, Kochschinken, Rohschinken, noch eine andere Wurst, irgendein Scheibenkäse und ein Camembert –, jeden Tag Wache, weit und breit nichts als Wasser, Wasser, Wasser und sogar auf meiner Gitarre erklingen immer nur die gleichen drei Akkorde… C, D, Em. Ansonsten gleicht das Schiffsleben einer Telenovela und sorgt zumindest dadurch für willkommene Abwechslung.

28.10.2016 – Tag 21

Ein Zehntel unserer Reise sind geschafft! Zusammenfassend hatten wir echt Glück mit dem Wetter und dem Wind – so schnell wie 2016 war die High Seas High School noch nie! –, lediglich diverse Krankheiten machten die erste Etappe von Hamburg nach Teneriffa nicht ganz leicht. Zudem bin ich seit heute wieder ein Stückchen mehr mein eigener Herr! Da ab Teneriffa der „normale“ Schulunterricht beginnt, bin ich raus aus der Wache, d.h. tagsüber konzentriere ich mich auf meine Unterrichtsvorbereitung, nachts schlafe ich… Eine Wohltat!

29.10.2016 – Tag 22

Als ich gestern in die Saiten meiner Klampfe haute und dazu meine Mundharmonika malträtierte, tauchte plötzlich ein Wal auf – für einen Delfin war er definitiv zu groß! Ansonsten wird es von Tag zu Tag wärmer, meist reicht inzwischen ein T-Shirt an Deck. Die Tage verfliegen, würde ich nicht auf dem Kalender nachschauen, hätte ich keine Ahnung, welcher Wochentag heute ist – macht ja auch keinerlei Unterschied… Dennoch freue ich mich schon auf Madeira und auf Neuigkeiten jenseits unseres Mikrokosmos.

30.10.2016 – Tag 23

Ein weiterer Tag auf See. Wale.

31.10.2016 – Tag 24

Wunderschöner Sonnenaufgang. Wir setzen zum ersten Mal den Klüver 1 – in T-Shirt und kurzer Hose. Am Abend ist zum ersten Mal seit acht Tagen wieder Land in Sicht: Porto Santo, eine der Nachbarinseln von Madeira. Später leuchten uns auch schon die ersten Lichter der Hauptinsel entgegen.

01.11.2016 – Tag 25

Dieser Traumtag beginnt mit einem weiteren wunderbaren Sonnenaufgang. Direkt vor uns klettert Funchal, die Hauptstadt von Madeira, die in Wolken verhüllten Berge hinauf. Ankern. Wir eröffnen offiziell die Badesaison 2016/17 mit einem Sprung vom schätzungsweise knapp vier Meter hohen Klüverbaum. Ausgelassene Partystimmung mit entsprechender Musik auf dem Vorschiff. Der zweite Sprung wird ein Hecht. Eine der beiden Lehrerinnen tut es mir gleich und verliert prompt ihr Bikinioberteil. Irgendetwas gibt es immer zu Lachen auf der Johnny! Sonnenbad. Danach geht es mit der Gummisau an Land. Funchal ist für all die Kreuzfahrttouris, die tagtäglich die Stadt entern, dementsprechend herausgeputzt. Zwei riesige Kugeln Eis für 2,50 Euro. In einer Gasse der Altstadt gleicht jede Haustür einem Kunstwerk – Freiluftmuseum. Zwei der vier Ms gönnen sich daraufhin ihr wohlverdientes, eiskaltes Bier nach Tagen der Abstinenz – ich bin natürlich eines der beiden. Zudem probieren wir eine Poncha, Zuckerrohrschnaps mit Zitronensaft und Honig – teambuildende Maßnahme. Auf ein weiteres Bier werde ich von meinem Steuermann Andreas in einer Hafenkneipe eingeladen. Zurück zum Schiff im Dunkeln. An Tagen wie diesen weiß man wieder, warum man sich dazu entschieden hat, sein eigentlich perfektes Leben mit allem drum und dran gegen sieben Monate der Ungewissheit eingetauscht zu haben!

02.11.2016 – Tag 26

Sicherheitstraining. Ich bin im Erste-Hilfe-Team, was ich eigentlich recht spannend finde. Später Landgang. Drei Granatäpfel.

03.11.2016 – Tag 27

Heute unternehmen wir eine gemeinsame Wanderung entlang der Levada do Furado. Diese sogenannten Levadas sind Bewässerungskanäle, um das Wasser vom regenreichen, aber landwirtschaftlich nur sehr schwer nutzbaren Norden zum trockenen, dafür landwirtschaftlich besser nutzbaren Süden zu leiten. Am Beginn der Wanderung steht ein Bus von ASI Reisen, einem meiner Auftragsgeber. Ein Weiterer steht am Flughafen. Landschaftlich erinnert mich die Wanderung durchaus an die bolivianischen Andenflanke, die in den Amazonas hinabführt. Barfuß zum Markt, wo wir uns durch allerlei exotisches Obst, von dem noch keiner je etwas gehört hat, durchprobieren. Natürlich kaufe ich auch ein wenig. Seefahrt heißt nämlich Vitaminmangel und ich möchte keinen Skorbut bekommen.

04.11.2016 – Tag 28

Wechselhaftes Wetter. Sonne, Regen, Sonne, Regen, Sonne, Regen… Am Vormittag geht es zunächst mit der Gondel bergauf nach Monte, später mit dem Korbschlitten bergab nach Funchal… Tourischmarrn! Am Nachmittag hieven wir wieder den Anker. Nächstes Ziel: Teneriffa!

05.11.2016 – Tag 29

Wenig Wind…

06.11.2016 – Tag 30

Land in Sicht und somit ein erster und noch dazu freier Blick auf den Teide!

07.11.2016 – Tag 31

Teneriffa! Die erste Etappe ist also fast geschafft. Am Abend entfliehen Manuel, Mira und ich der Enge unserer Johnny und gehen in Santa Cruz de Tenerife lecker syrisch Essen… Und natürlich Bier, Bier, Schnaps!

08.11.2016 – Tag 32

Am Vormittag schrubbe ich unser Deck. Nach einer Hühnersuppe gehe ich dann zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder Joggen. Ich bin bereits nach einem Monat Segeln, d.h. Bewegungsarmut, dermaßen unfit. Zudem schmerzt immer wieder mal mein rechtes Knie. Ansonsten Jonglieren, ein paar Klimmzüge, Hängematte, Lesen, Gitarre und am Abend Grillparty mit einem anderen deutschen und einem holländischen Schulschiff.

Hamburg-Teneriffa 2016

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